Rückblick zur Business Lounge "Automobilfertigung in Deutschland" am 04. November 2008 in Kassel

Die Märkte in Osteuropa und Asien haben in der Automobilindustrie in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Produktion folgt den Märkten, die Lieferanten folgen der Produktion, die Wertschöpfung wird global. Zum Teil haben diese Effekte allerdings ein „Überschwingen“ verursacht und es wurde – insbesondere in der öffentlichen Diskussion – der Eindruck vermittelt, eine Fertigung in Deutschland sei ein Anachronismus, der unternehmerisch und wirtschaftlich nicht begründbar ist. In Folge sind auch tatsächlich erhebliche Fertigungskapazitäten und Arbeitsplätze ins vermeintlich attraktivere Ausland abgewandert.

Dennoch schwimmen einige Unternehmen gegen den Strom und setzen bewusst auf ihre Standorte in Deutschland beziehungsweise bauen ihre Fertigungskapazitäten hier sogar noch aus. Grundlage dafür ist zum einen eine intelligente Kombination aus Effizienzsteigerung und Innovation und zum anderen eine kreative Suche nach Wegen in die Zukunft gemeinsam mit dem Sozialpartner.

Herr Dr. Stefan Niemand, Mitglied der Geschäftsführung, Seidenschwarz & Comp. GmbH erläuterte zunächst den internationalen Stellenwert des Produktionsstandorts. Obwohl der Standort Deutschland alleine gemessen anhand von Lohnkosten nicht mit Ländern wie beispielsweise Rumänien mithalten kann, so genießen Produkte „made in Germany“ international nach wie vor einen hohen Ruf. Die Flexibilität deutscher Unternehmen hingegen wird als äußerst gering eingestuft. Ein deutsches Unternehmen, das erfolgreich agieren will, muss somit die Kombination Effizienz und Innovation beherrschen. Effizienzzsteigerung gelingt beispielsweise mit der Anwendung von Tools wie z.B. dem Prozess-Referenz-Modell, aber auch einem Management, dass Transparenz schafft und die Umsetzung treibt. Erfolgreiche Innovation gelingt mit einer detaillierten Planung, mit Tools wie dem Target Costing und der Bereitstellung der notwendigen Ressourcen.

Ein erfolgreiches Beispiel hierzu präsentierte Herr Uwe Thesling von der Volkswagen AG in Kassel, einem Werk mit derzeit ca. 13.000 Mitarbeitern. Als in 2005 der Standort aufgrund seiner geringen Produktivität offen in Frage gestellt wurde, ist das Ziel 30% Produktivitätssteigerung innerhalb von zwei Jahren ausgesprochen, aber auch eindrucksvoll erreicht worden. Der Wandel kam über die Prozesse und das gemeinsam geschaffene  „Kasseler Haus“. Mithilfe einfacher Beispiele wurde das neue Denken allen Mitarbeitern vermittelt, mithilfe des Einsatzes von maßgeschneiderten Optimierungstools, wie z.B. dem Prozess-Referenz-Modell von Seidenschwarz & Comp. wurden Prozesse funktionsübergreifend um bis zu 85% verbessert. Die Umsetzung konnte auch nur funktionieren, weil sich das Management „zum Greifen nahe“ präsentierte.

Herr Jürgen Stumpf, Betriebsrat aus dem Volkswagen Werk Kassel und Mitglied des Aufsichtsrats der Volkswagen AG sprach sogar vom „Wunder von Kassel“. Er lobte, dass die  Unternehmensziele „Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung“ gleichrangig behandelt wurden und die Arbeitnehmervertretung gemeinsam mit der Werksleitung den „Kasseler Weg“ gehen konnte.

Über profitables Innovieren referierte Herr Michael Nothen, Director Engineering Car OE Thermo Systems von der Webasto AG aus Stockdorf. Ein erfolgreiches Unternehmen darf sich niemals der „Kompetenzillusion“ hingeben. Man muss auch den Markt kennen, das Produkt muss unbedingt in die Unternehmensstrategie passen und sämtliche Rahmenbedingungen müssen bereits beim Projektstart feststehen. Ein zwischen der Entwicklung und dem Vertrieb gemeinsam entwickeltes Lasten- bzw. Pflichtenheft ist daher zwingend notwendig.

Stefan Fink, Niederlassungsleiter der Heitec AG ließ das Publikum einen tiefen Einblick in die Welten des Mechatronischen Systems gewähren. Da vor allem im Umfeld des Automobils sehr viel mit elektronisch gesteuerten Maschinensystemen produziert wird, muss man gerade diese immer wieder auf deren Zustand prüfen. Herr Fink stellte mit der Möglichkeit des „Condition Monitoring“ vor, gerade solche Mechatronischen Systeme automatisiert zu prüfen und die Wirtschaftlichkeit im Unternehmen zu steigern.

Die Möglichkeit beim abschließenden Buffet und Getränken die Themen mit den Referenten und den Gästen von zahlreichen namhaften Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern zu vertiefen wurde intensiv genutzt. Daher bedankt sich Seidenschwarz & Comp. für die hervorragenden Vorträge bzw. Diskussionen und somit für das Gelingen der Veranstaltung.