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Mit beiden Händen

Consultant Markus Saalfeld konnte schon drei Monate nach seinem Einstieg bei Seidenschwarz & Comp zu einem Beratungsprojekt nach China aufbrechen. Hier sein Erfahrungsbericht.

Beim Blick aus dem Flugzeugfenster ziehen die Gedanken an meinen ersten Aufenthalt in China vorbei, wie unter uns die Lichter der 14-Millionen-Stadt Shanghai. Damals trat ich zum ersten Mal aus dem gigantischen Flughafen von Shanghai hinaus in die drückend feuchtwarme Luft. Was mich dort wohl erwartet?! Aber langsam, die vielen Eindrücke und Erinnerungen an mittlerweile elf Reisen nach China wollen sortiert sein.

 

Beginnen wir mit dem Vorstellungsgespräch bei Seidenschwarz & Comp. Schon damals hieß es „Wir sind international tätig, insbesondere auch in China.“ – Ein Gedanke, der mich einerseits faszinierte, den ich aber auch schnell wieder beiseite schob, denn auf einem derartigen Projekt wird man als Neueinsteiger von der Uni sicher nicht eingesetzt, mit Glück vielleicht nach drei oder vier Jahren.

 

Und tatsächlich: Die ersten Wochen im neuen Berater-Job sind geprägt von der Einarbeitungsphase in die Methodik und die Beratungsprozesse bei Seidenschwarz & Comp. China ist zunächst in weite Ferne gerückt.

 

An einem Dienstagmorgen, nur drei Monate nach meinem Einstieg, ruft mich mein Chef ins Büro. „Hast Du nächste Woche Kundentermine, die noch nicht in der Projektvorschau stehen? Wenn es nichts Unaufschiebbares gibt, würdest Du mit einem Kollegen für ein Projekt nach China fliegen. Der erste Workshop beginnt Montagmittag, Abflug ist nächsten Sonntag.“ Was für eine Nachricht!

 

Die Vorfreude auf ein Strategieentwicklungsprojekt bei der chinesischen Regionalgesellschaft eines Konzerns geht jedoch in den Reisevorbereitungen unter: Schnell alle notwendigen Unterlagen zusammentragen, Visum besorgen, Flüge buchen – es darf nichts schief laufen. Erst als mein Kollege und ich zwei Wochen später die Passkontrollen passieren, wird mir so richtig bewusst: Ein spannendes Projekt in China liegt vor mir…

 

Auf dem Weg zum Hotel geht es über eine achtspurige Autobahn. Die ständigen Spurwechsel und das Dauerhupen lassen die „Projektbesprechung“ im Auto und die letzten Vorbereitungen für den Workshop zur echten Herausforderung werden.

 

Nach einem schnellen Dusch-Stopp im Hotel und kurzer Taxifahrt durch die offenbar ständig verstopften Straßen der Millionenmetropole haben wir das Ziel erreicht: ein glitzernder Büroturm mit dem Firmensitz unseres Auftraggebers. Es ist drückend heiß und feucht, zwischen den Häusern ein unglaubliches Gewirr von Autos, Fußgängern und Radfahrern. Inmitten der Skyline komme ich mir vor wie in einem Mix aus Disneyland und Manhattan. Ist das wirklich China? Für solche Gedanken bleibt allerdings kaum Zeit, denn der Workshop beginnt in ein paar Minuten. Mit dem vollkommen überfüllten Lift, den wir nur mit viel Körpereinsatz erreichen, fahren wir in den 18. Stock. Asiatische Geduld und Zurückhaltung hatte ich mir anders vorgestellt...

 

Als ich das Büro des Kunden betrete, steigt in mir - trotz meines China-Schwerpunktes im Studium - ein Gefühl der Unsicherheit auf: Kann man mit westlichem Auftreten nicht viel falsch machen? Vielleicht stößt der Workshop auf Ablehnung? Doch die ersten Kontakte mit den zehn chinesischen Workshop-Teilnehmern verlaufen reibungslos, zumal mich mein China-erfahrener Kollege zuvor nicht nur auf das Ritual des Überreichens und Entgegennehmens von Visitenkarten mit beiden Händen, sondern auch auf andere landestypische Verhaltensweisen vorbereitet hat. Der eher passiv startende Workshop geht schnell in eine intensive Diskussion über, die lediglich durch exotische Klingeltöne unterbrochen wird. Aufstehen, Hin-und-Hergehen sowie Nebengespräche auf Chinesisch begleiten das Geschehen, und das Englisch einiger Teilnehmer erfordert höchste Konzentration. Schon am ersten Tag lerne ich, dass effiziente Workshops in verschiedenen Ländern unterschiedlich ablaufen.

 

Als mein Kollege den Workshop für diesen Tag beendet, und ich mich bereits in einem bequemen Hotelbett liegen sehe, richtet der Leiter der Gruppe noch einige Worte an die Teilnehmer. Alle – natürlich auch die Berater aus Starnberg – seien zum Abendessen eingeladen. Was anfangs wie ein Pflichttermin aussieht, entpuppt sich nicht nur als interessanter Ausflug in die chinesische Küche mit kundiger Einweisung in den Umgang mit Stäbchen, sondern auch als Idee davon, wie hier „guangxi“ (Beziehungen) gepflegt werden.

 

Es ist eine laute Runde und man kann hören, dass es den Kollegen schmeckt. Erst als der Tisch abgeräumt ist, drehen einige Teammitglieder richtig auf. „Gan bei“ heißt das Motto, und so manches Tsing-Tao-Bier läuft an diesem Abend die Kehlen hinab. Die Runde löst sich doch unerwartet etwas früher auf als befürchtet.

 

Als ich am Abend den Weg ins Hotel antrete, muss ich eingestehen, dass mir die bevorstehende Stunde Nach(t)arbeit des Workshops nicht leicht fallen wird. Den atemberaubenden Blick aus dem Hotelzimmer im 40. Stock auf Shanghais erleuchtete Skyline kann ich nur kurz genießen und – nach einem „normalen“ Projekttag in China – endlich dem Jetlag nachgeben.

 

Auf das erste China-Projekt folgten weitere. Neben dem glitzernden Shanghai konnte ich das traditionellere Peking und auch weniger bekannte Städte wie Guangzhou oder Shenyang kennen lernen. Wie man direkt kommuniziert, und die anderen trotzdem das Gesicht wahren lässt; wie man sich mit den im Studium erlernten wenigen Brocken Chinesisch durch den Alltag schlägt; wie man geduldig, aber auch energisch handeln muss, um Ergebnisse zu erzielen – all das hat sich in China als ebenso wichtig herausgestellt wie die Sacharbeit im Projektalltag. Das Tempo ist unglaublich hoch und oft anstrengend, aber die Stimmung voller Optimismus. Der Einstieg in die chinesische Kultur erfordert Offenheit und fällt erstaunlich leicht, manches bleibt jedoch auch rätselhaft. Ich werde wieder hinfahren.

Markus Saalfeld

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