Markt-Schwerpunkte haben sich in zahlreichen Branchen nach Osteuropa und Asien verschoben. Die Produktion folgt den Märkten, die Lieferanten folgen der Produktion, die Wertschöpfung wird global. Durch eine globalisierte Supply Chain entstehen zum einen Chancen, Materialkosten durch Global Sourcing zu senken und flexibel globale Werks-Kapazitäten einzusetzen, zum anderen besteht auch die Gefahr erhöhter Supply Chain-Kosten. In jedem Fall steigt die Komplexität zur Steuerung der zahlreichen, weltweit verteilten Standorte. Standort-, Wertschöpfungs- und Lieferanten-Entscheidungen unter globalen Gesamtoptimierungsaspekten sind zudem schwierig zu treffen. Mit einer steigenden Anzahl an Standorten gilt es, die zentralen und dezentralen Kompetenzen zu klären: Eine unkoordinierte Netzwerkentwicklung ist ebenso zu vermeiden wie eine Über-Standardisierung. Ein Supply Chain Design, das globale Effizienz ermöglicht sowie regionale Nähe und Gestaltungsmöglichkeiten sicherstellt, ist von zentraler Bedeutung zur Bewältigung der Herausforderungen durch die globale Wertschöpfung. Wesentliche Fragestellungen der Business Lounge „Global Supply Chain Design“ waren somit:
Zu diesen Themen wurden bei der Business Lounge von folgenden Logistik- und SCM-Experten aus der Industrie Vorträge gehalten, die auf fachlich hohem Niveau Antworten auf die gestellten Fragen gaben und fruchtbare Diskussionen bei den Teilnehmern anregten: Dr. Michael Karrer (ZF Friedrichshafen AG), Torsten Schrader / Ralph Jung (Sumitomo Electric Bordnetze GmbH), Johannes Schinnen (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG) und Christian Jeisel (Alcoa AFL Automotive).
Herr Dr. Karrer machte die Bedeutung der Standardisierung von Logistikprozessen auf Grund der steigenden Komplexität des weltweiten Produktionsnetzwerkes der ZF-Logistik deutlich. Er zeigte dabei auf, dass die Logistik maßgeblichen Einfluss auf das Betriebsergebnis hat und wie eine kon-zernweit einheitliche Messung der Logistikkennzahlen und -kosten auf Basis eines Logistikreferenzmodells erfolgen kann. Darüber hinaus stellte er Prinzipien, Methoden und Instrumente zum Design von Logistikprozessen vor, mittels derer die „Logistische Lücke“ zwischen der Liefertreue des Lieferanten und der eigenen Liefertreue zu den OEM’s geschlossen werden kann. Unterschiedliche Strategien und Möglichkeiten einer prozesssicheren JIS-Anlieferung kundenspezifischer Kabelsätze von Fertigungsstandorten in Low-Cost- sowie Low-Low-Cost-Länder mit bis zu 2.300 km Entfernung vom Verbauort erläuterten Herr Schrader und Herr Jung. Des Weiteren wurden die Anforderungen an die Zulieferindustrie, welche sich aus der JIS-Anlieferung der OEM’s ergeben sowie eine Strukturierung der Verpackungskonzepte KSK mit den entsprechenden Einsatzkriterien vorgestellt und Gestaltungsmöglichkeiten in der Leergutsteuerung durch alternative Anlieferbehälter / Transportkonzepte diskutiert. Herr Schinnen zeigte am Beispiel der Brose Fahrzeugteile GmbH den Weg auf, wie mittels eines durchgängigen Supply Chain Controlling Transparenz über die gesamten Logistikkosten erzielt werden kann. Zentrale Erfolgsfaktoren im Controlling globaler Supply Chains sind unter anderem eine Logistikkosten-Schlüsselung und der Einsatz von A- und B-Preisen in der Beschaffung. Er zeigte auf, wie durch eine konsequente Orientierung an den Total Landed Costs auf Verschiebungen der Logistikkosten zwischen den Lieferanten und Brose reagiert werden kann. Ein spezifisches Beispiel zur Prozessstandardisierung wurde in Form des internetbasierten SRM-Lieferantenportals „SupplyWEB“ von Herrn Jeisel vorgestellt. Die Vorteile eines solchen Beschaffungsinstruments liegen unter anderem in der Verlagerung des Bestellprozesses zum Lieferanten hin, der Bestandsoptimerung und in einer gesteigerten Prognosegüte. Darüber hinaus wurde durch seine Ausführungen sehr deutlich, welche Möglichkeiten und Vorteile ein E-Procurement-Portal für die Lieferantenintegration und Prozessoptimierung bietet.
Nach den einführenden Worten durch PD Dr. Werner Seidenschwarz, welcher das Business Lounge-Themenfeld aufspannte und die zentralen Fragestellungen des Global Supply Chain Design skizzierte, hielt Dr. Peter Faust von Seidenschwarz & Comp. den Einführungsvortrag, in dem er die Gestaltungsfelder und Methoden zur Erzielung von Supply Chain-Transparenz, -Gestaltung und -Optimierung darstellte. Das derzeit hoch-aktuelle Thema der Lokalisierung in China mit den spezifischen Herausforderungen und Erfolgsfaktoren beschrieb er mit Praxiserfahrungen und anschaulichen Beispielen.
Bei allen Referenten und bei allen Teilnehmern bedankt sich Seidenschwarz & Comp. für die hervorragenden Vorträge und Diskussionen und damit für das Gelingen der Veranstaltung. Das äußerst positive Feedback aller Teilnehmer bestärkt Seidenschwarz & Comp., diese Veranstaltungsreihe zukünftig anzubieten, um aktuelle Themen in einem Experten-Netzwerk zu diskutieren und neue Ideen zu entwickeln.